Der unsichtbare Frühling

Der unsichtbare Frühling

Während wir auf die ersten Blüten warten, beginnt der eigentliche Neustart der Natur im Verborgenen. Nicht auf Wiesen und in Baumkronen – sondern im Boden. Dort entscheidet sich, wie stabil Ökosysteme durch das Jahr kommen. Dort wird Kohlenstoff gebunden oder freigesetzt. Dort wird Wasser gespeichert oder verloren. Dort entsteht Resilienz – oder Erosion.

 

Mikroorganismen fahren hoch

Mit steigenden Bodentemperaturen werden Bakterien und Pilze wieder aktiv. Sie zersetzen organisches Material, setzen Nährstoffe frei und treiben die Stickstoff- und Kohlenstoffkreisläufe an.

Das klingt technisch – ist aber systemisch relevant:
Je schneller organische Substanz abgebaut wird, desto mehr CO₂ kann freigesetzt werden. Gleichzeitig entsteht pflanzenverfügbarer Stickstoff, der Wachstum ermöglicht. Ein schmaler Grat zwischen Produktivität und Emission.

 

Mykorrhiza-Netzwerke reaktivieren sich

Feine Pilzfäden verbinden Pflanzenwurzeln unterirdisch zu komplexen Netzwerken. Diese Mykorrhiza-Systeme erweitern die effektive Wurzeloberfläche massiv, verbessern die Wasseraufnahme und ermöglichen Nährstoffaustausch zwischen Pflanzen.

In Stressjahren – Trockenheit, Hitze, Nährstoffmangel – sind diese Netzwerke oft entscheidender als die Pflanze selbst. Ohne funktionierende Bodenbiologie gibt es keine stabile Vegetation.

 

Der Kohlenstoffpuffer entscheidet sich jetzt

Boden ist einer der größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher. Ob er als Senke wirkt oder zur Quelle wird, hängt stark von Feuchtigkeit, Temperatur und biologischer Aktivität im Frühjahr ab.

Ein milder Winter ohne Frost kann dazu führen, dass mikrobielle Prozesse durchlaufen – mit kontinuierlicher CO₂-Freisetzung.
Ein schneearmer Winter reduziert zudem die natürliche Isolierung des Bodens. Frost dringt tiefer ein, Bodenstruktur kann geschädigt werden.

Das sind keine akademischen Details. Das beeinflusst landwirtschaftliche Erträge, Wasserrückhalt und Klimadynamik.

 

Regenwürmer als Indikator für Systemgesundheit

Regenwürmer sind keine Randnotiz. Sie verbessern Bodenstruktur, erhöhen Infiltration, reduzieren Oberflächenabfluss und schaffen stabile Porensysteme. Wo sie fehlen, steigt das Risiko für Erosion und Nährstoffverlust.

Intensive Bodenbearbeitung, Pestizideinsatz und Verdichtung schwächen genau jene Organismen, die Resilienz erzeugen sollen.

 

Warum das relevant ist

Die öffentliche Debatte fokussiert sich auf Emissionen, Energie und Industrie. Der Boden bleibt oft Nebenschauplatz. Dabei ist er strategische Infrastruktur.

Ohne lebendigen Boden keine Ernährungssicherheit.
Ohne Humusaufbau keine stabile Kohlenstoffbindung.
Ohne funktionierende Mikrobiologie keine Biodiversität.

Der Frühling beginnt nicht mit einer Blüte. Er beginnt mit biochemischen Prozessen, die wir nicht sehen – aber verstehen sollten.

Die größten Ozeane der Erde könnten tief im Erdinneren verborgen sein

Die größten Ozeane der Erde könnten tief im Erdinneren verborgen sein

Was wie Science-Fiction klingt, ist seit einigen Jahren ernsthafte Geowissenschaft: Ein erheblicher Teil des Wassers unseres Planeten befindet sich möglicherweise nicht an der Oberfläche – sondern hunderte Kilometer unter unseren Füßen. Gemeint ist kein unterirdischer Hohlraum voller flüssiger Ozeane, sondern Wasser, das in Mineralstrukturen des Erdmantels gebunden ist.

 

Wasser im Mantel: Kein See, sondern Kristallstruktur

2014 veröffentlichte ein Forschungsteam um den Geophysiker Steven Jacobsen eine vielbeachtete Studie in Nature. Analysen eines seltenen Diamanten aus 660 Kilometern Tiefe lieferten Hinweise auf das Mineral Ringwoodit – eine Hochdruck-Variante von Olivin – das Hydroxylgruppen (OH) in seine Kristallstruktur einbauen kann.

Die relevante Zone liegt in der sogenannten Übergangszone des Erdmantels zwischen 410 und 660 Kilometern Tiefe. Laborexperimente und seismologische Daten legen nahe, dass diese Zone theoretisch so viel Wasser speichern könnte, wie in allen heutigen Ozeanen zusammen – möglicherweise sogar ein Mehrfaches davon.

Entscheidend: Dieses Wasser ist chemisch gebunden. Es handelt sich nicht um frei fließende Wassermassen.

 

Warum das geologisch relevant ist

Wenn sich diese Hypothese bestätigt, hätte das erhebliche Konsequenzen für unser Verständnis des globalen Wasserkreislaufs.

Der Wasserkreislauf wäre kein rein oberflächennahes System.
Plattentektonik würde als Transportmechanismus für Wasser in große Tiefen noch zentraler.
Vulkanismus könnte als „Ventil“ fungieren, über das Wasser aus dem Mantel wieder an die Oberfläche gelangt.

Subduktionszonen transportieren wasserhaltige Gesteine in den Mantel. Dort kann Wasser über geologische Zeiträume gespeichert und später wieder freigesetzt werden. Das deutet auf einen tiefen, langsamen Kreislauf hin, der über Hunderte Millionen Jahre wirkt.

 

Mehr Wasser für die Menschheit?

Nein. Dieses gebundene Wasser ist technologisch unerreichbar und ökonomisch irrelevant. Es verändert weder die globale Trinkwasserverfügbarkeit noch löst es Wasserknappheit.

Der Mehrwert liegt im Systemverständnis.

Wenn große Mengen Wasser im Mantel gebunden sind, beeinflusst das:

die Viskosität des Mantelmaterials
die Dynamik der Plattentektonik
die Entstehung von Magma
langfristige Klimastabilität über vulkanische CO₂-Zyklen

Mit anderen Worten: Das „versteckte“ Wasser ist ein Stabilitätsfaktor im planetaren Gesamtsystem.

 

Strategische Einordnung 

Für Nachhaltigkeits- und Impact-Debatten ist diese Erkenntnis kein operativer Hebel, aber ein Perspektivwechsel. Sie zeigt:

Planetare Systeme sind komplexer als unsere Oberflächenmodelle.
Der Wasserkreislauf ist tiefer und langsamer, als wir ihn in ESG-Reports abbilden.
Erdgeschichte operiert in Zeitskalen, die weit über politischen und wirtschaftlichen Zyklen liegen.

Wer über Klima, Ressourcen und Resilienz spricht, sollte verstehen: Die Erde ist kein statisches System. Sie ist ein dynamischer, geochemischer Organismus mit internen Puffern und Rückkopplungen, die wir erst ansatzweise verstehen.

 

Wissenschaftliche Quellen

Pearson, D.G. et al. (2014).
Hydrous ringwoodite included within diamond from the mantle transition zone.
Nature 507, 221–224.
https://doi.org/10.1038/nature13080

Jacobsen, S.D. et al. (2014).
Deep Earth water cycling and the role of the mantle transition zone.
Science 344 (6189).
https://doi.org/10.1126/science.1253358

Bercovici, D. & Karato, S. (2003).
Whole-mantle convection and the transition-zone water filter.
Nature 425, 39–44.
https://doi.org/10.1038/nature01918

Gesetzliche Regelungen bei Gehölz- und Heckenschnitten

Gesetzliche Regelungen bei Gehölz- und Heckenschnitten

Mit dem Frühling in nicht allzu weiter Ferne wächst bei vielen Gartenbesitzer:innen der Wunsch, Hecken und Gehölze wieder in Form zu bringen. Doch beim Griff zur Schere sind klare rechtliche Vorgaben zu beachten. Heute wollen wir #Beetschwestern erklären, welche Schnitte erlaubt sind, wann Verbote gelten und wann sogar eine Pflicht zum Rückschnitt besteht.

 

Wann ist der Heckenschnitt erlaubt und wann verboten?

Grundsätzlich regelt Paragraf 39 Absatz 5 des Bundesnaturschutzgesetzes bundesweit einheitlich, dass Hecken, Gebüsche, lebende Zäune und sonstige Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September nicht abgeschnitten oder radikal zurückgeschnitten werden dürfen. Ziel dieser Regelung ist der Schutz brütender Vögel und anderer wildlebender Tiere. Schonende Form- und Pflegeschnitte sind durchaus erlaubt sind, etwa um ein Überwuchern zu verhindern,  außer es brüten Vögel in dem Gehölz, dann muss dieses in Ruhe gelassen werden.

 

AUFGEPASST: Diese Vorschrift gilt nicht nur für öffentliche Grünflächen, sondern
auch für private Grundstücke. Ausgenommen sind lediglich Bäume in Haus- und
Kleingärten, allerdings auch hier nicht uneingeschränkt.

 

Mehr Infos zu den verschiedenen Zeitpunkten des Heckenschnitts bei unterschiedlichen Arten gibt es in diesem #Beetschwestern-Beitrag:

Der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt meiner Sträucher

 

Was ist beim Baumschnitt zu beachten?

Bäume dürfen auf privaten Gartengrundstücken grundsätzlich ganzjährig zurückgeschnitten oder gefällt werden. Manche Experten raten Gartenbesitzer:innen aber, unbedingt zu prüfen, ob ihre Kommune eine Baumschutzsatzung erlassen hat. Diese kann das Fällen bestimmter Bäume verbieten oder zumindest genehmigungspflichtig machen. Solche Satzungen unterscheiden sich je nach Gemeinde erheblich.

 

ACHTUNG: Befinden sich Vögel oder andere Tiere in einem Baum, etwa durch ein aktives
Nest, ist der Eingriff unzulässig. Das Bundesnaturschutzgesetz stellt klar, dass
Lebensstätten wildlebender Tiere nicht ohne vernünftigen Grund zerstört werden
dürfen. Das gilt auch für eigentlich erlaubte Pflegeschnitte.

 

Wann wird der Rückschnitt zur Pflicht?

Es gibt Situationen, in denen ein Rückschnitt nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig ist. Gefährdet ein Gehölz die Verkehrssicherheit, zum Beispiel, weil eine Hecke nach einem Sturm auf den Gehweg zu stürzen droht oder zu weit in den Straßenraum wächst, greifen die Verbote des Bundesnaturschutzgesetzes nicht (Verwaltungsgericht Gießen, Az.: 4 L 438/23). Dennoch empfehlen manche Experten, vorab Rücksprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde zu halten.

 

 

Wie hoch dürfen Hecken wachsen?

Die zulässige Höhe von Hecken und Gehölzen ist im jeweiligen Nachbarrechtsgesetz der Bundesländer geregelt, zu denen die Gemeindeverwaltung Auskunft geben kann. Maßgeblich ist dabei nicht nur die Höhe, sondern auch die Entfernung zum Nachbargrundstück. Üblicherweise gilt für Hecken eine Höhe von zwei Metern – gemessen ab Erdreich, wenn sie mindestens 50 Zentimeter von der Grundstücksgrenze entfernt gepflanzt wurde. Steht die Hecke weiter weg, darf sie in der Regel höher wachsen.

Ist die Hecke des Nachbarn zu hoch oder steht sie zu nah an der Grenze, darf man verlangen, dass er zur Heckenschere greift oder die Hecke beseitigt, natürlich unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Dieser Anspruch auf Rückschnitt oder Beseitigung kann allerdings je nach Bundesland nach einer gewissen Zeit ausgeschlossen sein. So beträgt die Ausschlussfrist in Nordrhein-Westfalen sechs Jahre, während es in Hessen nur drei Jahre sind. Und natürlich darf man seinen Nachbarn nur dann zum Kürzen der Hecke auffordern, wenn man sich selbst an die geforderte Höhe hält (Landgericht Koblenz, Az.: 13 S 6/20).

 

Ist Kirschlorbeer verboten?

Kirschlorbeer ist insbesondere als Heckenpflanze sehr beliebt. Kirschlorbeer wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. als potenziell invasive Art eingestuft. Also eine Art, die sich stark ausbreitet und dabei heimische Ökosysteme stören kann.

Was tun mit invasiven Pflanzen im Garten?

Anders als in der Schweiz, wo die Pflanze bereits seit 2024 verboten ist, besteht für Deutschland derzeit kein generelles Verbot. Kirschlorbeer darf weiterhin gekauft, verkauft und im eigenen Garten gepflanzt werden. Einschränkungen können sich lediglich aus lokalen Regelungen ergeben, beispielsweise durch kommunale Satzungen, Vorgaben in Kleingartenanlagen oder vereinsrechtliche Bestimmungen.

9th Sustainable Investor Summit 2026 in Wien

9th Sustainable Investor Summit 2026 in Wien

18.–19. März 2026 | Wien

Wien wird im März erneut zum Treffpunkt der internationalen Sustainable-Finance-Community. Beim 9th Sustainable Investor Summit diskutieren institutionelle Investoren, Asset Manager, Entwicklungsbanken, Unternehmen und politische Entscheidungsträger über die Zukunft nachhaltiger Kapitalallokation in Europa und darüber hinaus. Dieses Event ist mehr als eine Konferenz. Es ist ein Realitätscheck: Wie ernst meint es die Finanzbranche 2026 tatsächlich mit Impact, Transparenz und regulatorischer Disziplin?

 

Kapitalallokation im Umbruch

Sustainable Finance steht unter strukturellem Druck. EU-Taxonomie und steigende Offenlegungspflichten treffen auf geopolitische Unsicherheiten, volatile Märkte und wachsende Skepsis gegenüber ESG-Labeling.

Gleichzeitig steigt der Anspruch institutioneller Investoren:
ESG-Risiken zu managen reicht nicht mehr. Kapital soll Wirkung entfalten – und diese Wirkung muss belegbar sein.

 

Thematische Schwerpunkte des Summits

Im Zentrum stehen unter anderem:

Transition Finance & Real-Economy Partnerships
Private Markets als Resilienz-Treiber
Regulatorik als Wettbewerbsfaktor („Regulatory Alpha“)
Natural Capital & Biodiversität
Circular Economy und ClimateTech
KI und Accountability im ESG-Kontext

Der Diskurs verschiebt sich damit sichtbar: weg vom Screening einzelner ESG-Kennzahlen, hin zu strukturellen Transformationsfragen. Entscheidend ist nicht mehr, ob Nachhaltigkeit integriert wird – sondern wie Kapital reale Wirtschaftssektoren verändert.

 

Von ESG-Integration zu echter Wirkung

Die eigentliche Zäsur liegt im Übergang von ESG-Integration zu Impact-Strategien. ESG wurde lange als erweitertes Risikomanagement verstanden. 2026 steht eine andere Frage im Raum:

Welchen messbaren Beitrag leistet Kapital zur Dekarbonisierung, zur Sicherung von Biodiversität oder zu sozialen Transformationsprozessen?

Europa setzt hier weiterhin regulatorische Maßstäbe. Doch genau hier entscheidet sich auch die Glaubwürdigkeit: Wird Sustainable Finance zum belastbaren Transformationsinstrument – oder bleibt es im Reporting-Komplex stecken?

 

Conclusio

Solche Veranstaltungen sind strategische Frühindikatoren. Hier entstehen Standards, Allianzen und Marktmechanismen, die definieren, wie Wirkung künftig gemessen, verglichen und kapitalmarktfähig gemacht wird.

Wer Sustainable Finance ernst nimmt, sollte beobachten, wohin sich dieser Diskurs 2026 bewegt.

Link zur Veranstaltung: 9th Sustainable Investor Summit – Austria – ICA Institutional Capital Associates GmbH

Clean-up-Zertifikate: Warum sie den Klimaschutz strukturell verbessern könnten

Clean-up-Zertifikate: Warum sie den Klimaschutz strukturell verbessern könnten

Der heutige Klimaschutz leidet nicht primär an fehlenden Technologien. Er leidet an falschen ökonomischen Anreizen. Das aktuelle System belohnt Emissionsvermeidung, aber es adressiert kaum das eigentliche Kernproblem: CO₂, das bereits in der Atmosphäre ist, bleibt dort über Jahrhunderte. Klassische Emissionszertifikate legitimieren Ausstoß, ohne eine echte Rückholverpflichtung zu schaffen. Genau hier setzen sogenannte Clean-up-Zertifikate an, die dem Prinzip der erweiterten Produzenten-Verantwortung folgen.

 

Die Idee stammt aus der Klimaökonomie, unter anderem vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), nachzulesen u.a in einer aktuellen Studie zu diesem Thema. Der Ansatz ist radikal einfach: Wer emittiert, übernimmt gleichzeitig die Verantwortung für die spätere Entfernung dieser Emissionen. Ein Zertifikat ist dann kein dauerhaftes Verschmutzungsrecht mehr, sondern eine temporäre Leihgabe – mit Rückgabepflicht.

Statt „Ich darf heute CO₂ ausstoßen“ lautet die Logik künftig: „Ich stoße heute aus und verpflichte mich, diese Menge später wieder aus der Atmosphäre zu holen.“

Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel.

„Das Ausstoßrecht an eine Rückholpflicht zu koppeln, wäre eigentlich nichts grundlegend Neues“, erklärt Kai Lessmann, PIK-Forscher und Leitautor der oben erwähnten Studie. „In Teilen der Wirtschaft wird sowas längst praktiziert – etwa bei der Rücknahme von Pfandflaschen oder Elektro-Altgeräten. Es ist das Prinzip der erweiterten Produzenten-Verantwortung: Die Firmen stehen nicht nur für die Qualität ihrer Waren ein, sondern auch für die Entsorgung ihres Abfalls. Und wir zeigen hier, welches Potenzial dieses Prinzip für den Klimaschutz bietet.“

 

Warum das ökonomisch sauberer ist

Im bestehenden EU Emissions-Trading-System werden Zertifikate gehandelt, die faktisch ewige Emissionsrechte darstellen. Das erzeugt drei strukturelle Probleme:

Es gibt keinen eingebauten Mechanismus für Netto-Null. Selbst bei perfekten Reduktionen bleibt ein Rest, der nicht adressiert wird.
Negative Emissionen sind optional und meist freiwillig. Entsprechend werden sie unterfinanziert.
Die Kosten der langfristigen Klimaschäden sind nicht im Preis enthalten.

Clean-up-Zertifikate lösen das elegant. Sie zwingen den Markt, CO₂-Entnahme als festen Bestandteil der Wertschöpfungskette zu behandeln. Removal wird kein „Nice to have“, sondern ein verpflichtender Produktionsfaktor.

Damit entsteht automatisch Nachfrage nach Carbon Removal, Innovation wird kapitalisiert, und langfristige Speicherung bekommt einen realen Marktpreis. So funktioniert funktionierende Marktwirtschaft.

 

Prinzip der erweiterten Produzenten-Verantwortung auch bei Emissionen sinnvoll

„Angesichts des potenziellen Nutzens, der in dieser ökonomischen Analyse deutlich wird, sollte die EU die Einführung von Clean-up-Zertifikaten ernsthaft in Erwägung ziehen“, sagt Ottmar Edenhofer, PIK-Direktor und Vorsitzender des EU-Klimabeirats ESABCC, der die Studie als ein Co-Autor mitverfasst hat. „Der Kombi-Deal aus Emissionsrecht und Rückhol-Verpflichtung würde der Wirtschaft auf dem Weg zur Klimaneutralität wichtige Flexibilität verschaffen. Und er würde anschließend, nach 2050, die mit Blick auf das 1,5-Grad-Limit notwendigen netto-negativen Emissionen finanzieren helfen.“

 

Warum das heute noch kein echtes System ist

Hier kommt die nüchterne Realität. Aktuell existieren Clean-up-Zertifikate nur als Forschungsmodell und als lose private Experimente. Es gibt kein staatlich reguliertes Framework, keine verbindlichen Standards und keine Integration in große Emissionsmärkte.

Die größten Bremsklötze:

Messbarkeit
CO₂-Entnahme ist technisch komplex. Permanenz, Leckagerisiken und Zusatzwirkung lassen sich nicht trivial erfassen.
Fehlende Haftung
Niemand trägt heute systemisch Verantwortung, wenn gespeichertes CO₂ in 30 Jahren wieder entweicht.
Keine regulatorische Verankerung
Solange Regierungen das nicht in verpflichtende Handelssysteme integrieren, bleibt alles im Pilotstatus.

Und klar gesagt: Die meisten aktuellen „Removal Credits“ am Markt sind qualitativ uneinheitlich und teilweise kaum belastbar. Das ist ein Skalierungsproblem, kein Marketingproblem.

 

Was passieren müsste, damit das wirkt

Wenn Clean-up-Zertifikate mehr sein sollen als akademische Konzepte, braucht es drei Dinge:

harte MRV-Standards
Messung, Reporting und Verifikation müssen auf Infrastrukturniveau organisiert werden – nicht projektweise.
Integration in bestehende Märkte
Kein Parallelmarkt. Das muss direkt in ETS-Systeme eingebaut werden, sonst fehlt die Nachfragebasis.
Langfristige Verantwortungsketten
Emittenten müssen für die Dauerhaftigkeit der Entfernung haften, nicht nur für den Erstkauf des Zertifikats.

Ohne diese Punkte bleibt das Ganze ein gut gemeinter Mechanismus ohne systemische Wirkung.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Clean-up-Zertifikate sind kein Klimaschutz-Gimmick. Sie sind ein ernstzunehmender Versuch, Externalitäten endlich korrekt zu bepreisen. Das Konzept ist ökonomisch sauber, technologisch anschlussfähig und politisch machbar. Aber Stand heute gilt: Es gibt die Idee. Es gibt Modelle. Es gibt kleine Experimente. Was fehlt, ist Umsetzung auf Systemebene. Solange Staaten nicht bereit sind, Emissionsrechte mit Rückholpflicht zu koppeln, bleibt der Markt asymmetrisch – und Netto-Null ein Rechenmodell statt Realität.

 

Link

Originalpublikation:
Lessmann, K., Gruner, F., Kalkuhl, M., Edenhofer, O., (2026): Emissions trading with clean-up certificates: How carbon debt can increase climate ambition levels. – Journal of Environmental Economics and Management. [DOI: 10.1016/j.jeem.2026.103307]
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0095069626000276

Kapital für die Transformation

Kapital für die Transformation

Klima- und Nachhaltigkeitsfonds aus Österreich und Deutschland

Der Markt für nachhaltige Investmentfonds ist im deutschsprachigen Raum stark gewachsen. Doch Größe allein ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, ob Fonds tatsächlich Kapital in Geschäftsmodelle lenken, die messbar zur Dekarbonisierung, Ressourceneffizienz und sozialen Stabilität beitragen – oder ob sie lediglich klassische Indizes mit ESG-Filtern replizieren.

Ein Blick auf ausgewählte Fonds aus Österreich und Deutschland zeigt, wo strategische Unterschiede liegen.

 

Österreich: Nachhaltigkeit mit Substanz oder Image?

ERSTE WWF Stock Environment
Ein traditionsreicher Umweltfonds mit Fokus auf Wasser, erneuerbare Energien, Abfallwirtschaft und Effizienztechnologien. Der Fonds setzt auf Unternehmen, deren Umsatz überwiegend aus Umweltlösungen stammt. Das ist näher an realer Transformation als viele breit gestreute ESG-Produkte.

 

Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix
Ein Mischfonds mit strengen Nachhaltigkeitskriterien. Er kombiniert Aktien und Anleihen nachhaltiger Emittenten. Stabiler strukturiert, aber weniger fokussiert auf reine Klimatransformation. Eher Risikomanagement durch ESG als gezieltes Impact-Instrument.

 

3 Banken Nachhaltigkeitsfonds
Positioniert sich stark über ethisch-nachhaltige Auswahlprozesse. Solide Selektion, jedoch weniger thematischer Fokus auf Klima-Infrastruktur oder Energiewende. Nachhaltig im Sinne von Ausschluss und Best-in-Class, nicht zwingend disruptiv.

 

Deutschland: Größere Volumina, breitere Strategien

DWS Invest ESG Climate Tech
Investiert gezielt in Klimaschutztechnologien – von Energiespeichern bis Gebäudeeffizienz. Thematisch klar positioniert. Allerdings technologie- und wachstumsgetrieben, damit sensibel gegenüber Zinszyklen.

 

Ökoworld Ökovision Classic
Einer der bekanntesten nachhaltigen Fonds im deutschsprachigen Raum. Strenge Auswahlkriterien und unabhängiger Nachhaltigkeitsbeirat. Fokus auf Unternehmen mit klarer sozial-ökologischer Ausrichtung. Weniger kurzfristig optimiert, stärker wertebasiert.

 

Union Investment – UniNachhaltig Aktien Global
Großvolumiger Publikumsfonds mit ESG-Integration. Breite Diversifikation, geringeres Einzelrisiko. Allerdings stärker Mainstream-Ansatz – Nachhaltigkeit als Filter, nicht zwingend als Transformationsmotor.

 

Die entscheidende Frage: Impact oder Risikosteuerung?

Viele Fonds erfüllen regulatorische Anforderungen (z. B. SFDR Artikel 8 oder 9), doch das allein sagt wenig über reale Wirkung aus. Drei Punkte sind strategisch entscheidend:

Erstens: Wie hoch ist der Anteil des Portfolios, dessen Kerngeschäft unmittelbar zur Emissionsreduktion beiträgt?
Zweitens: Wird Kapital in neue Lösungen gelenkt oder nur in bereits etablierte Großkonzerne mit ESG-Rating?
Drittens: Gibt es transparente Wirkungskennzahlen – etwa CO₂-Intensität, vermiedene Emissionen oder Impact-Reporting?

 

Conclusio

Nachhaltige Fonds sind ein wichtiger Hebel, um Kapitalströme umzulenken. Aber sie ersetzen keine echte Impact-Transparenz. Genau hier liegt die Lücke: Investoren sehen Ratings – aber selten die tatsächliche Transformationsleistung.

Wenn Nachhaltigkeit glaubwürdig sein soll, braucht es öffentliche, nachvollziehbare Impact-Daten. Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Investmentprodukte.

Kapital entscheidet mit, wie schnell sich unsere Wirtschaft verändert. Die Frage ist nicht, ob Geld investiert wird – sondern wohin.

 

Schon gewusst? Palmkätzchen stehen unter Naturschutz

Schon gewusst? Palmkätzchen stehen unter Naturschutz

Die Palm- oder Salweide gehört zu den wichtigsten Frühlingsboten und wichtigen Symbolen zu Ostern. Für die erwachende Tierwelt spielt die Salweide eine bedeutende Rolle. Ihre pelzigen Blüten dienen als überlebenswichtige Futterquelle für viele Insekten. Daher sind Palmkätzchen in Österreich und Deutschland geschützt.

 

Die Salweide mit ihren nektar- und pollenreichen pelzigen Blütenkätzchen ist eine der wichtigsten Futterquellen für Bienen und andere Pollensammler im Vorfrühling. Viele Insektenarten wie zum Beispiel die Raupen von mehr als 30 verschiedenen Schmetterlingsarten und viele Käfer- und Blattwespenarten, Wildbienen sind auf die Sal-Weide angewiesen. Leider sind Salweiden immer seltener in der Natur zu finden, weshalb sie unter strengem Schutz stehen.

 

Kleiner Steckbrief

Wie alle Weidenarten sind die Pflanzen entweder männlich oder weiblich. Die männlichen Salweiden erkannt man an den gelblichen Palmkätzchen. Die weiblichen Kätzchen sind grünlich und etwas unscheinbarer. Bienen fliegen zuerst die männlichen Blüten an und danach mit Pollen beladen die weiblichen. Die Weidenblüte versorgt die Bienen mit bis 70% ihres jährlichen Pollenbedarfs und ist daher essentiell wichtig.

Salweiden werden bis zu 20 Meter hoch, sind anspruchslos und zählen zu den sogenannten Pioniergehölzen. Sie wachsen bis zu einer Seehöhe von 1.500 Metern.

 

Die Schutzregelungen im Überblick

In Deutschland dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 39 zwischen 1. März und 30. September KEINE Äste geschnitten oder abgerissen werden – egal, ob diese im eigenen Garten oder in freier Wildbahn wachsen. Die Zeitspanne gilt als Schonzeit für den Baum-, Hecken- und Strauchschnitt, in der Rodungen und massive Rückschnitte verboten sind. Man muss bei einem Verstoß mit Strafen von mehreren Tausend Euro rechnen.

(7) Die Ordnungswidrigkeit kann […] mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro, in den übrigen Fällen mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahndet werden.

 

In Österreich stehen Palmweiden von  1. Februar bis 30. April unter Naturschutz. In diesem Zeitraum dürfen pro Person und Tag maximal drei Zweige mit einer Länge von höchstens 50 cm abgeschnitten werden. Bei (wiederholter) Missachtung dieser Regelung drohen Strafen bis zu 7.620 Euro.

Palmkätzchen stehen lassen und selbst anpflanzen

Leider sieht man in der Natur immer wieder völlig verstümmelte Exemplare mit abgerissenen Aststummeln und verletzter Stammrinde aufgrund menschlicher Gier. Bei zu massivem Eingriff sterben Salweiden ab. Daher appellieren wir an dieser Stelle sehr dafür, die Palmkätzchen stehen zu lassen.

Wir können einen Beitrag zur Wiederansiedelung der Salweide leisten, indem wir sie in unsere Gärten und auf unsere Balkone pflanzen. Sie ist prinzipiell sehr unkompliziert, benötigt allerdings einen sonnigen bis halbschattigen Standort.

Weiters lässt sich die Salweide auch über Stecklinge in feuchtem Boden gut vermehren.

Nachhaltig Reisen Folge 12: Naturpark Altmühltal – Jurafelsen, Solardörfer und sanfter Radurlaub

Nachhaltig Reisen Folge 12: Naturpark Altmühltal – Jurafelsen, Solardörfer und sanfter Radurlaub

Eine Region, die zeigt, wie Entschleunigung wirtschaftlich funktioniert

Das Altmühltal in Bayern ist kein Ort der Extreme – und genau darin liegt seine Stärke. Sanfte Jurahügel, helle Kalkfelsen, mäandernde Flussläufe und kleine Städte mit mittelalterlichem Kern prägen diese Landschaft. Seit Jahrzehnten setzt die Region bewusst auf sanften Tourismus: Radfahren statt Durchgangsverkehr, kleine Pensionen statt Bettenburgen, regionale Wertschöpfung statt externer Investoren.

Der Naturpark Altmühltal gehört damit zu den frühesten Beispielen in Deutschland, wo Nachhaltigkeit nicht nachträglich „aufgesetzt“, sondern von Anfang an mitgedacht wurde.

Anreise & Mobilität – Radregion mit Rückgrat

Die klimafreundliche Anreise gelingt unkompliziert über Eichstätt, Riedenburg oder Gunzenhausen – alle gut an Bahn und Regionalbus angebunden.

Vor Ort setzt die Region konsequent auf umweltfreundliche Fortbewegung:

der bekannte Altmühltal-Radweg verbindet fast das gesamte Tal

dichte Netze aus Rad-, Wander- und Themenwegen

Fahrradmitnahme in Regionalbahnen

E-Bike-Verleih in nahezu jedem größeren Ort

Freizeitbusse mit Fahrradanhängern in der Saison

Das Ergebnis: Viele Gäste bewegen sich eine Woche lang ausschließlich mit Rad, Bus und zu Fuß – ohne Komfortverlust.

Übernachten – klein strukturiert, regional verankert

Großhotels sucht man im Altmühltal vergeblich. Stattdessen dominieren familiengeführte Häuser, Bio-Pensionen und Ferienwohnungen, oft in denkmalgeschützten Gebäuden oder moderner Holzbauweise.

Typisch für die Region:

Gasthöfe mit Umweltzertifizierung

Bauernhöfe mit Direktvermarktung

kleine Biohotels mit Solarthermie und regionalem Frühstück

Zelt- und Naturcampingplätze entlang der Altmühl

Viele Betriebe arbeiten mit lokalen Bäckern, Metzgern und Gemüsehöfen zusammen – Übernachten bedeutet hier automatisch Teilnahme an regionalen Kreisläufen.

Aktivitäten – draußen, ruhig, wirkungsvoll

Das Altmühltal ist eine der vielseitigsten Outdoorregionen Süddeutschlands – allerdings ohne Lärm und Masseninszenierung:

Radfahren entlang der Altmühl, durch Wacholderheiden und Felslandschaften

Wandern zu Naturdenkmälern wie den Zwölf Apostel Altmühltal

Kanutouren auf der gemächlich fließenden Altmühl

Fossiliensammeln in ehemaligen Steinbrüchen

Naturführungen zu Trockenrasen, Orchideenwiesen und Jurabiotopen

Bemerkenswert: Viele Angebote werden von ausgebildeten Naturführer:innen begleitet – mit Fokus auf Biodiversität, Geologie und Klimaanpassung, nicht auf Eventcharakter.

Kulinarik – Juraküche mit Herkunft

Die Küche im Altmühltal ist einfach, ehrlich und zunehmend biologisch geprägt:

Lamm und Rind aus extensiver Weidehaltung

Juradinkel, alte Getreidesorten und Streuobstprodukte

Forellen aus naturnaher Teichwirtschaft

Kräuter, Honig und Käse von kleinen Direktbetrieben

Immer mehr Gasthäuser kochen saisonal, reduzieren Fleischanteile bewusst und arbeiten nach Slow-Food-Prinzipien. Genuss entsteht hier nicht durch Auswahl, sondern durch Qualität.

Nachhaltigkeitsfaktor – frühes Vorbild für sanften Tourismus

Der Naturpark verfolgt seit Jahrzehnten ein klares Leitbild:

Schutz der Jurafelslandschaft und Trockenrasen

Förderung kleinbäuerlicher Betriebe

Besucherlenkung statt Übernutzung

Ausbau erneuerbarer Energien (viele Gemeinden mit Solar- und Biomassekonzepten)

Umweltbildung über Naturparkzentren und Schulprogramme

Besonders interessant: Einige Orte im Tal gelten als „Solardörfer“, mit überdurchschnittlicher Eigenstromproduktion und kommunalen Energiekonzepten – getragen von Bürgergenossenschaften statt Großkonzernen.

Conclusio – Leise Regionen sind die starken Regionen

Das Altmühltal beweist, dass Nachhaltigkeit kein Verzichtsprogramm ist – sondern ein Standortvorteil. Die Region lebt von Ruhe, Landschaft und regionaler Identität. Genau das macht sie wirtschaftlich stabil, touristisch attraktiv und ökologisch belastbar.

Wer hier reist, erlebt keine spektakulären Superlative – sondern etwas Dauerhafteres: eine Landschaft, die funktioniert. Und eine Region, die verstanden hat, dass weniger oft mehr Zukunft bedeutet.

Nächste Folge:
Werdenfelser Land – Zugspitze, Moore und klimabewusster Alpentourismus
Eine bayerische Alpenregion, die Hochgebirge mit Moorrenaturierung, sanfter Mobilität und regionaler Landwirtschaft verbindet.

 

Schädliche Weichmacher bei Kindern und Jugendlichen gefunden

Schädliche Weichmacher bei Kindern und Jugendlichen gefunden

Das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer Untersuchung der Urinproben von Kindern und Jugendlichen aus dem Frühjahr und Sommer 2025. Dabei konnte in 92 Prozent aller Proben das Abbauprodukt eines gefährlichen Weichmachers festgestellt werden, der in der EU aufgrund seiner Fortpflanzungsgefährdung verboten ist. Der Ursprung dafür liegt in UV-Filtern von Sonnencremen. Ab 2027 gelten EU-weit strengere Höchstwerte für Sonnenschutzcremen.

Bereits 2024 Jahren hat das Umweltbundesamt (UBA) Mono-n-hexylphthalat (MnHexP) im Urin von Erwachsenen nachgewiesen. MnHexP ist ein Abbauprodukt des Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP), der als fortpflanzungsschädigend gilt und deshalb in der EU nicht zugelassen ist. Die Funde ließen sich auf eine Verunreinigung eines UV-Filters in Sonnencremes zurückführen. Neben MnHexP sind Menschen weiteren fortpflanzungsschädigenden Weichmachern ausgesetzt, so dass jede vermeidbare Quelle eliminiert werden sollte.

 

„Aufgrund der Ergebnisse der vergangenen Jahre waren wir nicht überrascht, MnHexP in den Urinproben von Kindern und Jugendlichen zu finden. Was uns jedoch überrascht hat, war der große Anteil belasteter Proben sowie die teils sehr hohen Konzentrationen.“

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes

Fast alle Proben belastet

Bis zu einem Wert von 60 Mikrogramm pro Liter (µg/L) Urin ist nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen. Diesen Wert hat die Kommission Human-Biomonitoring am UBA 2024  von den Ergebnissen 2024 abgeleitet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die tolerable tägliche Aufnahme für DnHexP mit 63 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (µg/kg KG/d) angegeben.

In der aktuellen Kinder- und Jugendstudie ALISE („Aligned Study for Environmental Health“) wurden bisher 259 Urinproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren aus den Monaten April bis Juli 2025 untersucht. In 238 der Proben (92 Prozent) wurde MnHexP gefunden. Zwei Studienteilnehmende überschritten mit 83 und 107 µg/L den HBM-I-Wert von 60 µg/L.

 

UV-Filter in Sonnencremen ist Verursacher

Die seinerzeit unmittelbar eingeleiteten Produktuntersuchungen von Sonnencremen bestätigten den Verdacht und ein Patent zur Herstellung des UV-Filters Diethylaminohydroxybenzoylhexylbenzoat (DHHB) zeigt klar, dass der Weichmacher DnHexP bei der Produktion des UV-Filters entstehen kann. Gleichzeitig wurde bei den Produktuntersuchungen deutlich, dass die Konzentration des Weichmachers im DHHB schwankt und auch Sonnencremes mit dem UV-Filter, aber ohne Verunreinigung, am Markt existieren.

 

Immer mehr Länder verbieten Sonnencremen

Mehrfachbelastung möglich

Di-n-hexylphthalat ist nicht der einzige fortpflanzungsschädigende Stoff, dem Menschen ausgesetzt sind. Beispielsweise lag die Gesamtbelastung gegenüber fortpflanzungsschädigenden Weichmachern in der letzten Studie des UBA an Kindern und Jugendlichen  (GerES V, 2014–2017) bei einem Großteil, insbesondere der jüngeren Kinder, über der von der EFSA (European Food Safety Authority, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) als tolerierbar definierten Aufnahmemenge. Deshalb ist es wichtig, vermeidbare Quellen fortpflanzungsschädigender Stoffe zu eliminieren und wichtige Produkte wie Sonnencreme frei von Verunreinigungen zu halten.

Ökotest: Lebensmittelverpackungen mit Schadstoffen belastet

Dazu sagt Messner: „Kinder und Jugendliche haben eine besonders empfindliche Haut. Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln ist und bleibt daher essentiell, um das Risiko von Hautkrebs zu minimieren.“

Wir haben uns mit dem Thema Sonnencreme bereits mehrfach auseinandergesetzt – hier zum Beispiel Bio-Sonnencremen im Vergleich zu herkömmlichen:

Der Geruch von Sommer

Start des größten Windparks Österreichs in Neusiedl/Weiden

In Neusiedl am See und Weiden am See geht ein zentrales Projekt der österreichischen Energiewende in Betrieb: Mit 23 Windkraftanlagen und einer geplanten Jahresproduktion von rund 250 Millionen Kilowattstunden startet der derzeit größte Windpark des Landes. Das Projekt markiert einen weiteren Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit und Dekarbonisierung der Stromversorgung.

 

Dimension und Wirkung

Mit einer erwarteten Stromproduktion von 250 Millionen Kilowattstunden pro Jahr kann der Windpark rechnerisch zehntausende Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen. Gleichzeitig werden erhebliche Mengen an CO₂-Emissionen vermieden, die bei fossiler Stromerzeugung entstehen würden. In Zeiten volatiler Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten stärkt die Anlage zudem die regionale Versorgungssicherheit.

Die Dimension des Projekts unterstreicht, dass der Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich nicht mehr in Pilotgrößen denkt, sondern in industriellen Maßstäben plant. 23 moderne Windanlagen bündeln Leistung, Effizienz und Netzstabilität – und setzen ein klares Signal für den weiteren Ausbau im Burgenland und darüber hinaus.

 

Signal für die Energiewende

Der Standort Neusiedl/Weiden ist strategisch gewählt: Das Burgenland gilt seit Jahren als Vorreiter im Bereich Windenergie und deckt bereits einen Großteil seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen. Der neue Windpark verstärkt diese Position und zeigt, dass großflächige Projekte mit regionaler Wertschöpfung vereinbar sind.

Mit dem Start dieses Projekts wird deutlich, dass die Energiewende nicht nur ein politisches Ziel bleibt, sondern konkret umgesetzt wird – mit Infrastruktur, Investitionen und langfristiger Planung. Der größte Windpark Österreichs steht damit exemplarisch für die nächste Phase der Transformation: skalierbar, leistungsstark und regional verankert.