Tag des Wolfes: Inwieweit wir Konkurrenz zulassen
Seit 2013 hat der deutsche Naturschutzbund NABU den Tag des Wolfes am 30. April ausgerufen, um Wissen über die Tiere zu vermitteln sowie die Ängste und Emotionen, die mit der Einwanderung der Wölfe in Deutschland und auch Österreich einhergehen, abzubauen. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle beim Aufbau eines gesunden Mischwaldes, weil sie die Wildpopulationen reduzieren. Gerade im letzen Jahr gingen die Wogen zum Thema hoch, als letzten Mai der EU-weite Schutzstatus gesenkt wurde. Damit wurde der Abschuss von Wölfen erleichtert, was die Jägerschaft und auch viele Landwirte begrüßen, während Naturschützer die Erfolge der Ansiedelung gefährdet sehen. Sie fordern bessere Unterstützung der Landwirte durch die Politik zum Aufbau eines funktionierenden Herdenschutzes. Die Diskussion wird oft sehr emotional und Ängste schürend geführt. Es fehlt vielfach der Wille, echte Lösungen für ein gutes Miteinander zu suchen und zu finden. Dies betrifft nicht nur Wölfe, sondern auch andere wiederangesiedelte Wildtiere, die in Konkurrenz zu menschlichen Interessen stehen, wie zum Beispiel Fischotter und Biber.
Nachdem die Wölfe in ihre ehemals angestammten Lebensräume in Mitteleuropa (in geringer Zahl) zurückgekehrt sind, nehmen die Konflikte und unsachlichen Diskussionen sowie tatsächliche Wolfsabschüsse massiv zu. Der Konkurrent, der das jagdbare Wild (aus Kotproben in Deutschland geht hervor, das 96% der Nahrung aus Wildtieren stammt) sowie auch schlecht oder gar nicht geschützte Nutztiere reißt, wird von vielen Menschen abgelehnt. Dabei helfen Wölfe, die Wildtierpopulation auf ein – für den Waldnachwuchs – gesundes Maß zu halten, das wir Menschen über viele Jahrzehnte künstlich hoch gehalten haben, mit massiven negativen Auswirkungen auf den Waldnachwuchs. Sie unterstützen dadurch die Artenvielfalt und födern die Regeneration geschädigter Ökosysteme.
Leider werden die Probleme, die einzelne Tiere durch den – manchmal massenhaften – Riss von Nutztieren verursachen, zum Anlass genommen, die Wölfe an sich abzulehnen. Es fehlt oft der echte Wille, sich mit dem Thema sachlich und lösungsorientiert auseinanderzusetzen, die Probleme adäquat zu adressieren und gemeinsam Schutzmaßnahmen zu definieren, die ein Miteinander von Wolf und Nutztierhaltung erlauben. Auch müssen die Länder die Landwirte finanziell bei den Zusatzleistungen, die dafür nötig sind, kräftig unterstützen, statt sie damit alleine zu lassen.
Situation in Deutschland
Grafik NABU Deutschland: Wölfe in Deutschland – verzeichnet sind Rudel, Paare und Einzeltiere mit festem Revier
NABU-Expertin für Wölfe und Beweidung Marie Neuwald erklärt: „Die politische Debatte kreist seit Jahren fast ausschließlich um Abschüsse. Dabei verhindert Bejagung keine Risse – das leistet nur wirksamer Herdenschutz. Entscheidend ist, dass Weidetierhaltende verlässlich unterstützt und beraten werden und die Politik hier Verantwortung übernimmt.“
Rechtliche Unsicherheiten und falsche Anreize
Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz ist Anfang April in Kraft getreten. Der NABU appelliert an die Länder, nicht in eine reguläre Bejagung einzusteigen, und warnt vor einem Flickenteppich unkoordinierter Abschüsse. „Beginnen Länder jetzt unkoordiniert mit der Jagd, droht ein Rückfall in einen ungünstigen Erhaltungszustand – mit Konflikten zum EU-Recht“, so Neuwald. Mindestens braucht es länderübergreifende, wissenschaftlich fundierte Konzepte zur Sicherung des Erhaltungszustands, die neben Abschüssen auch Verluste durch Verkehr und Krankheit einbeziehen
Herdenschutz wirkt – Bejagung nicht
Herdenschutz wirkt nachweislich: Die Risszahlen sinken seit Jahren, obwohl die Zahl der Wölfe steigt. Grund sind Förderprogramme und das Engagement vieler Betriebe. Neuwald betont: „Bejagung darf nicht als Ersatz oder Erleichterung für Herdenschutz verkauft werden. Wölfe halten dadurch nicht mehr Abstand zu Weiden und bleiben für ungeschützte Tiere ein Risiko.“
HIER geht es zu einem Faktencheck des NABU bezüglich Wolf und Herdenschutz
Situation in Österreich
Im Monitoringjahr 2025/26 wurden laut Naturschutzbund Österreich acht Wolfsrudel nachgewiesen – eines weniger als im Jahr zuvor. Nur vier davon leben vollständig in Österreich. Die übrigen Rudel sind grenzübergreifend und somit nicht eindeutig dem österreichischen Bestand zuzurechnen. In lediglich drei Rudeln wurde Fortpflanzung bestätigt, mit insgesamt mindestens sieben nachgewiesenen Welpen.
Mehr Abschüsse als Nachwuchs
Gleichzeitig wurden im Monitoringjahr 2025/26 insgesamt 27 Wölfe offiziell getötet, darunter auch Jungtiere. „Damit übersteigt die Zahl der Abschüsse die der nachgewiesenen Welpen deutlich. Es ist zwar davon auszugehen, dass nicht alle Welpen erfasst wurden, aber insgesamt erreicht von Natur aus nur ein Teil der Welpen das Erwachsenenalter. Das Beispiel legt jedenfalls die Schieflage zwischen lückenhafter Datengrundlage und intensiven Eingriffen offen“, sagt Lucas Ende, Experte beim Naturschutzbund Österreich.
Grafik Naturschutzbund Österreich
Keine wissenschaftliche Grundlage für Gefahrennarrative
Für die oft geäußerte Behauptung, Wölfe würden ohne Bejagung ihre Scheu vor Menschen verlieren und gefährlich werden, gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Wildtiere suchen nicht von selbst die Nähe des Menschen – entscheidend sind vielmehr Anreize wie Futter. „Der Naturschutzbund fordert daher ein Wolfsmanagement auf Basis belastbarer Daten mit Fokus auf Monitoring, Prävention in Form von Herdenschutz und sachlicher Informationsarbeit – statt weiterer pauschaler Eingriffe in einen ohnehin fragilen Bestand“, sagt Thomas Wrbka, Präsident des Naturschutzbundes Österreich.
Unser pro.earth. Fazit:
Wenn wir als Gesellschaft mehr Natur wollen, was wir in der EU mit der 30×30 Regel, also der Renaturierung von 30 Prozent unserer Flächen festgelegt haben – die wir zuerst zerstört haben, weshalb wir sie wieder herstellen müssen und die dabei helfen sollen, unsere Klimaziele (die in weite Ferne gerückt sind) zu erreichen – dann müssenn wir auch Wildtiere, die wieder ihren Platz in unseren Systemen fordern, akzeptieren und Lösungen sowie Maßnahmen erarbeiten und diese auch finanzieren, damit dieses neue Miteinander gelingen kann. Dies erfordert intensive Arbeit und einen respektvollen Umgang, bei dem die Sorgen, Ängste und probleme ebenso ernstgenommen werden wie die Bemühungen, den einst ausgerotteten Tieren in unserer modernen Welt einen Platz einzuräumen.












