Wenn alle Menschen auf der Welt so leben und wirtschaften würden wie wir in Deutschland, wäre bereits am 10. Mai das Budget an nachhaltig nutzbaren Ressourcen und ökologisch verkraftbaren Emissionen für das gesamte Jahr aufgebraucht. Wir bräuchten 2,8 Erden, wenn alle Menschen so leben würden wie wir. Dieses Datum zeigt nicht nur den hohen Ressourcenverbrauch, sondern auch, dass Deutschland im globalen Vergleich die Klimakrise stärker mit anheizt, als oft angenommen wird, vor allem durch seinen hohen Konsum und Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen. Der deutsche Erdüberlastungstag markiert den Tag, ab dem wir bis Jahresende quasi ungefragt Schulden bei anderen machen: bei Menschen im globalen Süden, die deutlich weniger verbrauchen als ihnen zustünde, sowie bei Kindern und nachfolgenden Generationen, die mit den Folgen der jahrzehntelangen Übernutzung umgehen müssen. Der Tag wird jährlich vom Global Footprint Network (GFN) errechnet.
Earth Overshoot Day schätzt Verbrauch der natürlichen Ressourcen
Das Global Footprint Network errechnet jedes Jahr für den gesamten Planeten und einzelne Staaten, wann die Menschheit das Budget der Natur für das Jahr aufgebraucht hat. Der Earth Overshoot Day ist eine Schätzung und basiert auf den National Footprint and Biocapacity Accounts. Zum Nationale Footprint, der auch als ökologischer „Bedarf“ eines Landes bezeichnet wird, zählt die Fläche, die nötig ist, um den Konsum eines Landes oder der Welt zu decken. Dieser Konsum beinhaltet pflanzenbasierte Lebensmittel und Fasern, tierische Produkte, Fischereiprodukte, Holz und andere Waldprodukte, Fläche für Infrastruktur und Siedlungen und Wälder zur Aufnahme von CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen.
Earth Overshoot Day so früh wie noch nie
Unter “ Biokapazität“ fallen alle biologisch produktive Flächen und Gewässer eines Landes oder weltweit (z. B. Wälder, Ackerland, Weiden, Fischgründe, bebaute Flächen).
Daher handelt es sich bei dem Datum um einen Näherungswert und nicht um ein genaues Datum. Dennoch geben sie einen guten Hinweis darauf, wie viel größer die menschliche Nachfrage ist als die Fähigkeit unseres Planeten, die gesamte Nachfrage unserer Volkswirtschaften zu decken.
Bild: Global Footprint Network 2026, www.overshootday.org and www.footprintnetwork.org
Gesamt gesehen verbrauchen die Industriestaaten deutlich mehr Ressourcen als andere Nationen. Von den G20-Staaten liegen nur Kanada, die Vereinigten Arabischen Emiraten, USA, Australien, Südkorea und Russland vor Deutschland. Auch wenn die Entwicklung in den letzten zehn Jahren leicht in eine positive Richtung gegangen ist, passiert dies viel zu langsam.
Die großen Treiber unseres Ressourcenhungers
Unser großer Ressourcenverbrauch hängt einerseits mit unserem erheblichen Konsum von Fleisch und tierischen Prdoukten und der damit verbundenen landwirtschaftlichen Nutzung unserer Flächen zusammen. In Deutschland werden rund 60 Prozent der Agrarfläche für die Produktion von Futtermitteln verwendet. Unter anderem belegen Untersuchungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), dass eine weltweite Umstellung auf eine nachhaltige und fleischarme Ernährung die Chancen für eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius deutlich erhöhen würde.
Desweiteren sind die fossile Energieerzeugung mit Kohle und Erdgas, die Auto- und Flugmobilität , sowie der Energieverbrauch im Gebäudesektor für unseren hohen Verbrauch mitverantwortlich. Nur der Umstieg auf erneuerbare Energien, die Abkehr von Verbrenner-Autos, der Verzicht auf Langstreckenflüge, die Verwendung alternativer fossilfreier Heizsysteme und nachhaltigere Bauweisen sowie die Umstellung auf ein Kreislaufsystem unserer Wirtschaftsproduktion kann den Earth Overshoot Day signifikant nach hinten verschieben.
Die Folgen dieses hohen Ressourcenverbrauchs sind bereits heute deutlich sichtbar in der Klima- und der Biodiversitätskrise. Weltweit schwächen wir unsere Ökosysteme und zerstören Lebensräume, unter anderem durch Abholzung für Landwirtschaft, Bodenversiegelung, Überfischung, steigende Treibhausgasemissionen, Umweltverschmutzung und intensive Monokulturen.
Damit destabilisert unser Lebensstil destabilisiert gleichzeitig die natürlichen Erdsystemprozesse, die diese Ressourcen überhaupt bereitstellen. Überschreiten wir die planetaren Grenzen unserer einstmals gesunden Erdsysteme – wir sind am besten Weg dahin – begeben wir uns in eine unsichere bis stark risikoreiche Zukunft, in der die Folgen für uns Menschen immer schwerer vorhersehbar werden.
Heute schon sehen wir deutliche Anzeichen für folgende Entwicklungen:
Missernten werden häufiger, weil Böden unfruchtbar und das Wetter extremer werden
Wasserknappheit nimmt in vielen Regionen zu
Viele Gegenden werden durch steigende Meeresspiegel, Dürre und Hitze unbewohnbar und zwingen Menschen zur Flucht
Die weltweite Artenvielfalt und Biodiversität bricht weiter ein (Insekten, Pflanzen, Tiere verschwinden) – mit unabsehbaren Folgen
Wirtschaftliche und soziale Spannungen nehmen zu, weil Ressourcen knapper werden
Wir haben die Verpflichtung für kommende Generationen, um genau das zu verändern. Die Lösungswege sind bekannt, die notwendigen Mittel sind vorhanden, jetzt müssen wir entschlossen handeln und Verantwortung übernehmen.
Aktion der Deutschen Umwelthilfe „Handys für die Umwelt“
Zum deutschen Earth Overshoot Day am 10.Mai startet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die bundesweite Sammlung „Handys für die Umwelt“. Ziel ist es, Elektroschrott zu vermeiden, wertvolle Ressourcen zurück in den Kreislauf zu bringen und das Klima zu schützen. Das ist dringend nötig, denn der Tag, an welchem hierzulande alle natürlichen und regenerierbaren Ressourcen aufgebraucht sind, wird Jahr für Jahr immer früher erreicht.
In Deutschland werden jährlich rund 20 Millionen Smartphones verkauft. Für ihre Herstellung werden massenhaft wertvolle Rohstoffe benötigt – runtergebrochen sind das etwa 340 Kilogramm Gold, 4.200 Kilogramm Neodym und 132.000 Kilogramm Kupfer. Die Umweltbilanz von Smartphones verbessert sich vor allem durch eine möglichst lange Nutzung: Bereits ein aufbereitetes Smartphone spart rund 14 Kilogramm Ressourcen und 58 Kilogramm Treibhausgasemissionen ein.
Zur DUH-Handysammlung: https://www.duh.de/informieren/ressourcen-und-abfall/handys-fuer-die-umwelt/
Earth Overshoot Day: Österreich hat heute alle natürlichen Ressourcen eines Jahres verbraucht