El Prix 2026: E-Autos im Kältetest in Norwegen
Im Jänner 2026 war der ÖAMTC wieder beim weltweit größten Reichweitentest bei außergewöhnlich harten Winterbedingungen von Elektrofahrzeugen „El Prix“ dabei. Dieser Praxistest wird jährlich zweimal vom norwegischen Automobilclub NAF durchgeführt. Bei bis zu minus 30 Grad, verschneiten Straßen und eisigem Wind wurden diesen Januar 24 Elektroautos an ihre Grenzen gebracht. Dabei wurden die Auswirkungen auf die Reichweite von E-Autos getestet.
El Prix ist der weltweit größte Praxis-Test für die Reichweite und das Aufladen von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen (BEV). Der Norwegische Automobilverband (NAF) führt El Prix seit 2020 zwei Mal pro Jahre durch, einmal im Sommer und einmal im Winter. Dabei wird die tatsächliche Reichweite der Fahrzeuge ermittelt und mit den offiziellen WLTP-Reichweiten verglichen.
Für den aktuellen Test wurde eine 450 Kilometer lange Strecke gewählt, die einen Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn sowie Steigungen beinhaltete. Gestartet wurde in Oslo bei minus 8 Grad über Lilleholm undging durch einige ländliche Gegenden in Richtung Norden in einem großen Bogen um den Rondane-Nationalpark, wo minus 31 Grad herrschten. Es wurde so lange gefahren, bis es bei allen Fahrzeugen zu einem Leistungsverlust kam und die erforderliche Geschwindigkeit nicht mehr gehalten werden konnte.
Auswirkungen der Kälte auf Reichweite und Ladekapazität
„Bei Rekordwerten von bis zu minus 31 Grad Celsius zeigte sich die starke Auswirkung der niedrigen Temperatur auf die Reichweite von E-Autos: Kein Fahrzeug kam in die Nähe der angegebenen WLTP-Werte. Die höchsten Abweichungen zur angegebenen Reichweite lagen bei fast 46 Prozent, etwa bei Opel Grandland und Lucid Air Grand Touring, die niedrigste bei knapp unter 30 Prozent – bei MG S6 und Hyundai Inster. Im Durchschnitt lag die Abweichung bei knapp 38 Prozent unterhalb der WLTP-Reichweite“, fasst ÖAMTC-Techniker Florian Merker zusammen.
Die Modelle, die die größten Abweichungen hatten, waren meist auch die Modelle, die die höchsten Reichweiteangaben (WLTP) hatten.
Der amerikanische Lucid Air Grand Touring kam bei 960 km auf 520 tatsächlich gefahrenene Kilometern im Realtest.
Die zweitgrößte Reichweite erzielte der Mercedes CLA 350 4Matic AWD. Der 85-kWh-Stromer kam auf 421 Kilometer statt der nach WLTP angegebenen 709 Kilometer, was einem Minus von 41 Prozent entspricht.
Auf Rang drei lag der Audi A6 Sportback E-Tron Quattro mit 95-kWh-Akku, der 402 Kilometer gegenüber 653 WLTP-Kilometern erreichte, ein Minus von 38 Prozent.
Auf Platz vier lag der BMW iX mit 388 gefahrenen Kilometern und einem Minus von 39,5% zu der WLTP-Reichweite
Der Opel Grandland erreichte bei 484 WLTP-Kilometern im Realtest 262 gefahrene Kilometer, er hatte den größten Reichweitenverlust.
Grafik ©️ÖAMTC
Die Angst vor zu geringer Reichweite ist aber unbegründet
Die tatsächlich gefahrenen Kilometer lagen zwischen 224 (Suzuki eVitara) und 520 Kilometern (Lucid Air Grand Touring). „Die Daten zeigen, wie wichtig eine gute Streckenplanung und die Verfügbarkeit von Ladestationen für E-Autofahrer:innen im Winter sind – besonders bei sehr niedrigen Temperaturen“, betont der ÖAMTC-Techniker. Das belegt auch der parallel durchgeführte Ladetest.
Conclusio: Die Verfügbarkeit von Ladestationen, Ladegeschwindigkeit und Verbrauchseffizienz ist wichtiger als die Reichweite
Beim Aufladen erreichten 13 der 24 getesteten Fahrzeuge den gewünschten Ladestand von 80 Prozent in weniger als 30 Minuten. Sechs Fahrzeuge waren sogar schneller auf 80 Prozent als vom Hersteller angegeben.
„Bei diesem Ladetest zeigte sich, wie wichtig eine gut temperierte Batterie für das Laden eines Elektrofahrzeuges ist. Trotz Temperaturen von minus zehn Grad Celsius an den Ladestationen haben die getesteten Fahrzeuge gut abgeschnitten“, erklärt Merker.
Laut der Erfahrung des ÖAMTC werden in Zukunft Ladegeschwindigkeit, Verbrauchseffizienz und Verfügbarkeit von Ladestationen wichtiger sein als die maximale Reichweite eines Elektrofahrzeuges.
Test als Vorschau für mögliche neue Modelle in Europa
Ein weiterer interessanter Aspekt von „El Prix“: In Norwegen finden sich viele Fahrzeugmodelle, die es noch nicht auf den österreichischen Markt geschafft haben, die aber beim Test dabei waren, zum Beispiel die chinesischen Modelle Changan Deepal S05, KGM Musso, Xpeng X9 und Zeekr 7X. „Für den ÖAMTC ist es daher eine gute Vorschau, welche Hersteller in der nächsten Zeit den Schritt nach Europa planen“, sagt Merker.



