Marmolada: Der höchste Gletscher der Dolomiten verschwindet
Der Marmolada-Gletscher, der größte Gletscher der Dolomiten, verliert immer schneller an Fläche. Aktuelle Messungen zeigen für 2026 einen durchschnittlichen Rückzug der Gletscherfront von rund 23 Metern – fast dreimal so viel wie im Vorjahr. Innerhalb nur eines Jahres schrumpfte die Gletscherfläche von rund 92 auf 83 Hektar.
Damit gingen innerhalb eines Jahres etwa neun Hektar Gletscherfläche verloren – eine Fläche von rund zwölf Fußballfeldern.
Besonders stark ist die Veränderung an einzelnen Abschnitten. An der Westfront wurden innerhalb von zwei Jahren bis zu 120 Meter Rückzug gemessen. Die Gletscherfront befindet sich mittlerweile auf über 2.900 Metern Höhe.
Ein außergewöhnlich warmer Sommer
Eine wesentliche Ursache ist die anhaltende Wärme in großer Höhe. Der Sommer 2026 war in den höheren Lagen der Dolomiten laut den aktuellen Untersuchungen der wärmste seit Beginn der entsprechenden Messreihe im Jahr 1991.
Hohe Temperaturen beschleunigen nicht nur die oberflächliche Eisschmelze. Schmelzwasser kann über Spalten tief in den Gletscher eindringen und die Stabilität einzelner Eisbereiche beeinflussen.
Im August wurden auf der Marmolada erneut mit Schmelzwasser gefüllte Spalten oberhalb jenes Bereichs beobachtet, an dem sich 2022 ein gewaltiger Eis- und Felssturz ereignete. Damals kamen elf Menschen ums Leben.
Das bedeutet nicht, dass unmittelbar ein neuer großer Eisabbruch bevorsteht. Eine solche Vorhersage lässt sich aus den Beobachtungen nicht ableiten. Sie zeigen jedoch, wie stark sich die Bedingungen auf dem Gletscher verändern und warum Überwachung und Risikobewertung zunehmend wichtiger werden.
Nicht nur die Marmolada verändert sich
Die Entwicklung steht exemplarisch für die Gletscher der Alpen. Steigende Temperaturen verschieben die Schneegrenze nach oben, verkürzen die Zeit mit schützender Schneedecke und lassen immer größere Bereiche des Gletschereises im Sommer ungeschützt zurück.
Damit verändert sich auch der Hochgebirgsraum selbst. Wo Eis verschwindet, können Felswände und Hänge instabiler werden. Gleichzeitig verändern sich Wasserhaushalt, Landschaft und alpine Ökosysteme.
Daten & Fakten
* rund 23 Meter durchschnittlicher Rückzug der Marmolada-Gletscherfront 2026
* rund 8 Meter waren es 2025
* Gletscherfläche innerhalb eines Jahres von rund 92 auf 83 Hektar gesunken
* rund 9 Hektar Eisfläche in einem Jahr verloren
* bis zu 120 Meter Rückzug an der Westfront innerhalb von zwei Jahren
* Gletscherfront inzwischen auf über 2.900 Metern Höhe
* 11 Todesopfer beim Eis- und Felssturz im Juli 2022
Conclusio
Die Marmolada zeigt, wie schnell der Klimawandel das Erscheinungsbild der Alpen verändert. Aus einem über Jahrzehnte beobachtbaren Gletscherrückgang wird zunehmend eine Entwicklung, die innerhalb weniger Jahre ganze Landschaften verändert.
Sollten sich Sommer wie 2026 wiederholen, könnte von dem heute noch bestehenden Marmolada-Gletscher bereits innerhalb weniger Jahrzehnte kaum mehr etwas übrig sein. Gleichzeitig entstehen neue Risiken im Hochgebirge, auf die sich Tourismus, Bergrettung und Behörden einstellen müssen.
Der Rückzug der Marmolada ist deshalb mehr als der Verlust von Eis. Er ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie schnell sich die Bedingungen in Europas Hochgebirge verändern






